
Hintergrund und Herausforderung
VerbaVoice revolutioniert die Kommunikation für Hörgeschädigte. Etwa 300.000 Menschen in Deutschland (ca. 40 Millionen weltweit) hören so schlecht, dass sie ohne visuelle Hilfen von vielen Bereichen unserer Gesellschaftausgeschlossen sind. Hörgeschädigte haben in zahlreichen Lebenssituationen einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Unterstützung. Bisher wurden persönlichanwesende Gebärdensprach- oder Schriftdolmetscher zur Verfügung gestellt. Das ist kostenintensiv und aufgrund des hohen Aufwandes oft nicht durchführbar.
Die unternehmerische Lösung
VerbaVoice bietet ein weltweit einzigartiges System zur Erkennung und Darstellung von Sprache in Echtzeit. Hörgeschädigte erhalten über ein Mobiltelefon oder ein internetfähiges Endgerät (z. B. Netbook) das Gesprochene als Text, mit hoher Genauigkeit und nahezu in Echtzeit übermittelt. Sie können somit z. B. Besprechungen in der Arbeit oder einer Vorlesung an der Hochschule durch Mitlesen folgen. Die Basis von VerbaVoice ist eine neuartige Kombination aus automatischer Spracherkennung, selbst entwickelten Anwendungen und moderner Mobiltechnologie. Durch VerbaVoice werden die alltäglichen Situationen der Isolation für Hörgeschädigte gemindert und die beruflichen Chancen dieser Menschen gefördert.
Das Unternehmen adressiert einen bereits existierenden Markt (Marktvolumen Kommunikationshilfen für Hörgeschädigte in Deutschland 1,2 Mrd. EUR) mit gesetzlich geregeltem Anspruch von Hörgeschädigten auf entsprechende Unterstützung. Es ersetzt bestehende Angebote durch ein effizientes und kostensparendes System. Als erstes System seiner Art ist es bereits als Kommunikationshilfe durch das Bayerische Sozialministerium und Integrationsämter anerkannt. Die Kostenübernahme erfolgt durch gesetzlich vorgegebene Kostenträger wie z. B. Agentur für Arbeit, Integrationsämter, Kommunen.
So funktioniert VerbaVoice

Der hörende Kommunikationspartner(z. B. Arzt, Dozent, Berater) spricht in ein (ansteckbares) Mikrophon. Über ein verbundenes Smartphone wird eine mobile Internetverbindung zum zentralen Rechenzentrum und von dort zu einem Schriftdolmetscher hergestellt. Das Gesprochene wird über die Internetverbindung des mobilen Endgeräts an den Schriftdolmetscher übermittelt. Dieser „revoiced“das Gehörte (korrektes, akzentuiertes Nachsprechen).
Sein individuell auf ihn trainiertes Spracherkennungssystem transkribiert das Gesprochene in Text, einzelne – den Sinn verändernde – Fehler werden automatisch korrigiert und vom Schriftdolmetscher synchron editiert. Der editierte Text wird über die Internetverbindung an den Nutzer (hörgeschädigte Person) auf dessen Smartphone übermittelt. Dieser kann dem Gesagten nahezu in Echtzeit folgen. Die Lautsprachübermittlung zum und die Textübermittlung vom Schriftdolmetscher erfolgen hierbei zeitlich parallel über die Datenverbindung des mobilen Endgeräts.
Der Social Entrepreneur
Nach ihrem Studium der Gehörlosenpädagogik sowie durch ihre Tätigkeit in der beruflichen Bildung und beruflichen Rehabilitation von Hörgeschädigten erlebte Michaela Nachtrab den großen Bedarf und permanenten Mangel an flexiblen Kommunikationshilfen für Hörgeschädigte. Während ihres MBA mit Focus Social Entrepreneurship entwickelte sie erste Ideen für innovative Kommunikationshilfe-Konzepte. Durch den Kontakt mit dem CTO Robin Ribback und dessen technisch basierten Erfahrungen (Einsatz von Rechenzentren und automatische Spracherkennung) entstand das Konzept von VerbaVoice. Eine umfassende betriebswirtschaftliche „Social Business“ Betrachtung auf der Basis einer Stakeholder-Analyse führte sie im Rahmen ihrer MBA-Masterarbeit durch und erarbeitete darin die konkrete Geschäftsidee.
Die Masterarbeit wurde durch die Hochschule ausgezeichnet. Während ihrer Tätigkeit als Regionalleiterin in der beruflichen Rehabilitation für Hörgeschädigte baute sie erfolgreich mehrere Niederlassungen für die Firma Salo+Partner auf. Hier sammelte sie umfangreiche Erfahrung in Unternehmensaufbau und Unternehmensführung.
Seit 2002 war sie als freiberufliche Gebärdensprachdolmetscherin und seit 2009 zudem als Projektleiterin für das Gehörloseninstitut Bayern tätig. Sie baute während dieser Zeit eine Informations-Plattform zur Finanzierung von Kommunikationshilfen auf und sammelte somit einzigartiges Wissen für die Gründung von VerbaVoice.
Durch ihre vergangenen Tätigkeiten sind u. a. ein Kundenstamm an hörgeschädigten Interessenten sowie der Zugang zu gesetzlichen Regelungen und exzellente Kontakte zu verschiedenen Kostenträgern vorhanden.
Unterstützung durch den Social Venture Fund
Der Gesamtfinanzierungsbedarf für den Markteintritt von VerbaVoice in Deutschland
beträgt 740.000 EUR. Das Kapital wird vom Social Venture Fund als Lead-
Investor (500.000 EUR) und der Bayern Kapital (240.000 EUR) zur Verfügung
gestellt. Die Bayern Kapital GmbH ist eine 100 % ige Tochtergesellschaft der
LfA Förderbank Bayern. Neben der finanziellen Unterstützung hilft der Social
Venture Fund aus einer Position im Beirat der Gesellschaft und durch sein Netzwerk
aktiver Investoren.Dazu gehören Sachunterstützungen, die laufende Beratung
beim Roll-out des Projektes sowie die Identifi kation potenzieller Partner aus
der privaten Wirtschaft.